Referat Die Epoche Der Moderne
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Die Epoche der Moderne (20.Jh.)
1. Allgemeine Grundlagen
2. Konsequenzen für den Roman
- Inhaltlich
- Formal
- Wichtige Autoren und Werke
3. Die moderne Lyrik
- Die Lyrik des Expressionismus als Beispiel der modernen Lyrik in
Deutschland
1. Wortbedeutung
2. Weltanschaulicher Anspruch
3. Problematik
4. Bedeutung und Merkmale expressionistischer Lyrik
1. Allgemeine Grundlagen
Schon mit des Beginn der Neuzeit in Europa (Renaissance) haben die
Menschen sehr und mehr Ideale und Werte entwickelt, die sich von den
alten, mittelalterlich-religiösen Auffassungen lösten und den Menschen
selbst in den Mittelpunkt rückten. Die neuen Ideen haben ihren
gemeinsamen Fluchtpunkt in der Vorstellung von dem autonomen Individuum,
das die Dinge mit seinem Verstand prüft und dann selbständig
entscheidet und handelt (Aufklärung). Kunst und Philosophie der Klassik
haben diese Konzeption erweitert zum Idealbild der allseits gebildeten,
ihre Fähigkeiten und Neigungen harmonisch in sich vereinigenden
Persönlichkeit. Zugleich wurde aber eine Welt geschaffen, die sich der
Verwirklichung der neuen Leitbilder zusehends versperrte (z.B.
Entfaltung des Staates, seiner Institutionen, Regeln und Bürokratie,
Entwicklung der Arbeitsteilung und Spezialisierung infolge der
zunehmenden Industrialisierung). So droht der Mensch entweder der Welt
fremd gegenüberzustehen, wenn er seine Autonomie wahren will, oder aber
seine Autonomie aufzugeben, will er sich integrieren. Immer schwieriger
wird es, einen Kompromiß zu finden, der es ihm erlaubt, sich frei und
geborgen zugleich zu fühlen.
Die skizzierte Situation und Problematik hat sich im 20. Jh. immer mehr
zugespitzt.
· Die Welt ist noch komplizierter und beim Fehlen intensiver
Auseinandersetzung mit ihr undurchsichtiger geworden.
· Unsere Kenntnis hat sich zwar vergrößert, das wenigste wissen wir
aber aus unmittelbarer Erfahrung und Anschauung; wir sind vielmehr auf
Informationen aus zweiter Hand angewiesen.
· Die menschlichen Möglichkeiten sind immens angewachsen (Technik),
dafür sind aber auch die Gefahren globaler geworden.
· Die Idee von einem selbständigen, vernünftigen, mit freiem Willen
begabten und nur seinem Gewissen verantwortlichen Individuum, das "von
Natur aus gut ist", wird von den modernen Wissenschaften, v.a. der
Psychologie, in Frage gestellt.
· Wertsysteme, die dem Menschen zur Orientierung dienen können, wie
z.B. Religion, Vaterland, Familie, haben ihren allgemein verbindlichen
Charakter, ihre Selbstverständlichkeit verloren.
2. Konsequenzen für den Roman
Wie alle Literatur so reagiert auch der Roman auf die angesprochene
Situation.
Inhaltlich
Der Roman ist spätestens seit Cervantes "Don Quixote" diejenige
literarische Gattung, die den Konflikt zwischen Einzelnem und Welt zum
Gegenstand hat. Nun im 20. Jh., da die Künstler die Bedrohung des
Menschen intensiv und mit gesteigerter Sensibilität erleben und
registrieren und in oft extremer Weise auszudrücken suchen,
vergrößert sich die Entfremdung des Romanhelden von seiner Umwelt. Er
wird zur totalen Negation des Helden herkömmlichen Typs. Passivität,
Leiden, selbstquälerische Reflexion prägen sein Leben, er wird
zunehmend unfähig, sinnvoll zu handeln, und er ist sich darüber hinaus
dieser seiner Situation bewußt.
Formal
Das Erzählen selbst bleibt von diesen Veränderungen nicht unberührt.
Es entsteht das, was man die "Krise des Romans" (= des traditionellen,
realistischen) nennt.
· Das Schema des herkömmlichen Romans, die realistische Schilderung
eines Lebensweges in einem konkreten historisch-gesellschaftlichen
Kontext, erscheint zu eng, um die immer komplexere und unübersichtliche
Wirklichkeit umfassen zu können.
· Zudem erwuchs des Roman in Fotografie und Film eine Konkurrenz, die
im Vergleich zur Sprache die äußere Realität weit direkter
wiederzugeben imstande ist.
· Die der alltäglichen Sprache entnommene, ungekünstelte Prosa des
Romans ist nach Meinung der Dichter durch Werbung, Politik und die
Konventionen des gesellschaftlichen Lebens zu stark von Klischees
geprägt.
Um dennoch Romane schreiben zu können - denn inhaltlich ist der Roman
immer noch eine geeignete Gattung -, wird zu einer Reihe von
erzählerischen Techniken gegriffen, die oft zu mehreren in ein und
demselben Roman auftreten und die sich vereinfacht wie folgt darstellen
lassen:
1. Der Erzähler kann die Schwierigkeiten, die er beim Erzählen hat, im
Roman selbst thematisieren und damit den Eindruck von Wirklichkeit und
Wahrscheinlichkeit (ein Merkmal realistischer Schreibweise) verfremden.
2. Der Erzähler kann realistisch schildern oder vorgeben, realistisch
schildern zu wollen, durch Ironie aber seine Vorbehalte gegenüber eben
dieser Schreibweise deutlich machen.
3. Dem Erzähler gelingt es nicht mehr, die Wirklichkeit zu ordnen, zu
einem erzählerischen Ablauf zu gestalten. Er montiert statt dessen
verschiedene Eindrücke von der Wirklichkeit in ihren mannigfaltigen
Aspekten zu einem oft verwirrenden Bild zusammen.
4. Auch die innere Wirklichkeit des Menschen, seine Psyche, kann vom
Erzähler nicht mehr übersichtlich gemacht werden. So schildert er oft
ungeordnet Gefühle und Gedanken seiner Romanfiguren, bisweilen ohne als
Erzähler überhaupt auch nur in Erscheinung zu treten (Innerer
Monolog).
5. Da der Erzähler die Komplexität der Wirklichkeit nicht mehr
erzählerisch voll erfassen kann, stellt er sie theoretisch dar. So
werden die modernen Romane stellenweise zu philosophischen Abhandlungen,
die Handlung und Schilderung verdrängen.
6. Der Realismus kann ganz aufgegeben werden. An seine Stelle tritt eine
vom Autor konstruierte eigene, irreale bzw. halbreale Welt, mit der er
glaubt, die Situation des modernen Menschen treffender ausdrücken zu
können.
Wichtige Autoren und Werke
· James Joyce, "Ulysses" (1922)
· John Dos Passos, "Manhattan Transfer" (1925)
· Marcel Proust, "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (1913-27)
· Hermann Broch, "Der Tod des Vergil" (1945)
· Alfred Döblin, "Berlin Alexanderplatz" (1929)
· Hermann Hesse, "Der Steppenwolf" (1927)
· Franz Kafka, "Der Prozess" (1925)
· Thomas Mann,
- "Buddenbrooks" (1901),
- "Der Zauberberg" (1924),
- "Doktor Faustus" (1947)
· Robert Musil, "Der Mann ohne Eigenschaften" (1930-52)
· Rainer Maria Rilke, "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" (1910)
3 . Die moderne Lyrik
Bei jedem Kunstwerk kann man Aussage (auch Gehalt) und Form
unterscheiden, die dialektisch aufeinander bezogen sind. Die Aussage
kann nur durch die Form vermittelt werden, die Form hat nur Sinn durch
die Aussage. Seit der Mitte des 19.Jhd. verschiebt sich die
Form-Aussage-Dialektik immer mehr zugunsten der Form, die Form wird
schließlich zur Aussage.
Am Beispiel der Malerei soll dies verdeutlicht werden. Die bildenden
Künstler malten bis ins 19.Jhd. hinein so, als bildeten sie die
physische Wirklichkeit ab. Es ging ihnen dabei zwar nicht um die
naturgetreue, quasi photographische Wiedergabe, sondern um den Ausdruck
bestimmter Ideen und Gefühle. Ein möglicher Bezug des Bildinhaltes zur
Wirklichkeit ist aber immer deutlich. ("Man kann erkennen, was das Bild
darstellen soll.") Im weiteren Verlauf der Entwicklung wird den Malern
die formale Seite der Bilder (Linien, Flächen, Farben) immer wichtiger
(abstrakte Malerei). Sie experimentieren mit ihnen und komponieren aus
ihnen Gebilde, bei denen der mögliche Bezug zur Wirklichkeit keine
Rolle spielt (selbst wenn man noch erkennen kann, was das Bild
darstellen soll), ja die sogar gegenstandslos sein können. Es geht in
diesen Bildern um die Errichtung einer eigenen Welt aus Linien, Flächen
und Farben. Solche Gemälde sind mit der Musik vergleichbar, die durch
Kombination von Tönen ebenfalls eine Welt schafft, die ihre Bedeutung
in sich hat und nichts abbilden muß.
In der Dichtung ist die Gattung der Lyrik diejenige, die dem Ziel des
abstrakten Kunstwerkes am nächsten kommt.
"Dichtung ... kannte schon immer Augenblicke, in denen der Vers sich zu
einer Eigenmacht des Tönens hob, die zwingender wirkt als sein Gehalt.
(...) Doch hat älteres Dichten in solchen Fällen nie den Gehalt
preisgegeben, eher danach getrachtet, ihn eben durch die Klangdominante
in seiner Bedeutung zu steigern. (...) Seit der europäischen Romantik
treten andere Verhältnisse auf. (...) Stärker als bisher schieden sich
in der Sprache die Funktion der Mitteilung und die Funktion, ein
unabhängiger Organismus musikalischer Kraftfelder zu sein. (...) Die
Möglichkeit ist erkannt, ein Gedicht durch eine Kombinatorik entstehen
zu lassen, die mit den tönenden und rhythmischen Elementen der Sprache
schaltet wie mit magischen Formeln. Aus ihnen, nicht aus der
thematischen Planung, kommt dann ein Sinn zustande - ein schwebender
unbestimmter Sinn, dessen Rätselhaftigkeit weniger von den
Kernbedeutungen der Worte verkörpert wird als vielmehr von ihren
Klangkräften und semantischen Randzonen."
Hugo Friedrich, Die Struktur der modernen Lyrik, Hamburg 1970, 3. Aufl.
der erweiterten Neuausgabe S. 50
Neben Klang und schillernder Bedeutung sind noch die Chiffren zu
erwähnen, Metaphern, die nichts mehr verbildlichen und daher
unübersetzbar sind.
Die Ursachen für solche Dichtung, die keine Aussage über die
Wirklichkeit machen, sondern selbst eine autonome, sich selbst
genügende Wirklichkeit sein will (L art pour l art, poésie pure),
liegen in der modernen Zeit selbst (s. Punkte 1 bis 3). Gegen die
schlechte Realität, gegen die genormte und leere Sprache und gegen
veraltete literarische Traditionen (z.B. bestimmte Reime und Bilder in
Gedichten) versuchen die modernen Lyriker durch eine neue Sprache eine
eigene Welt zu errichten, die von der Wirklichkeit frei ist. Die
Gedichte stellen also durch ihre Abgeschlossenheit von der Wirklichkeit
einen Protest gegen diese Wirklichkeit dar. Die Dichter wollen aber auch
der Welt, die sie für sinnlos halten, einen neuen Sinn geben, den sie
im autonomen Kunstwerk sehen.
Die Lyrik des Expressionismus als Beispiel der modernen Lyrik in
Deutschland (1910-1925)
1. Wortbedeutung
Von lat. "expressio" = Ausdruck; 1911 anläßlich einer Ausstellung in
Berlin zur Bezeichnung der Bilder junger französischer Maler gebraucht;
von dem Schriftsteller Kurt Hiller auf junge Dichter der damaligen Zeit
übertragen.
2. Weltanschaulicher Anspruch
Am Vorabend des Ersten Weltkrieges waren immer mehr Künstler mit ihrer
Zeit unzufrieden und ahnten die nahe Katastrophe. Man
"fühlte immer deutlicher die Unmöglichkeit einer Menschheit, die sich
ganz und gar abhängig gemacht hatte von ihrer eigenen Schöpfung, von
ihrer Wissenschaft, von Technik, Statistik, Handel und Industrie, von
einer erstarrten Gemeinschaftsordnung, bourgeoisen und konventionellen
Bräuchen. Diese Erkenntnis bedeutete zugleich de Beginn des Kampfes
gegen die Zeit und die Realität. (...) Aus den Ausbrüchen der
Verfluchung (der Zeit) brachen die Schreie und Aufforderungen zur
Empörung, zur Entscheidung, zur Rechenschaft, zur Erneuerung..., um
durch die Empörung das Vernichtende und Vernichtete ganz zu vernichten,
so dass Heilendes sich entfalten konnte. Aufrufe zum Zusammenschluß der
Jugend, zum Aufbruch einer geistigen Phalanx ertönten; (...) Und so
gemeinsam und wild aus diesen Dichtern Klage, Verzweiflung, Aufruhr
aufgedonnert war, so einig und eindringlich posaunten sie in ihren
Gesängen Menschlichkeit, Güte, Gerechtigkeit, Kameradschaft,
Menschenliebe aller zu allen."
Kurt Pinthus, Zuvor, in: Theorie des Expressionismus, hrg. von Otto F.
Best, Stuttgart 1976, S. 86 f.
Die Expressionisten wollten also die Kunst wieder in den Dienst einer
Sache stellen. Mit Hilfe der Kunst sollten die Menschen verändert
werden, um eine neue Welt hervorzubringen.
3. Problematik
Bei den Expressionisten blieben die Ziele ihrer Bewegung sehr allgemein
(s.o.). Man machte sich wenig Gedanken, wie diese Ziele konkret zu
verwirklichen seien. Statt dessen feierte man die Opferbereitschaft, die
Begeisterung, das Engagement an sich; man machte sie zu eigenständigen
Werten, an denen man sich berauschte, ohne zu fragen, auf welche Ziele
sie denn bezogen werden sollten.
Es war den Expressionisten meist gleichgültig, in welchem Sinne sich
etwas änderte, was zu tun war; Hauptsache für sie war, daß überhaupt
etwas geschah, dass man etwas tat (Aktivismus). Die Folge davon war
z.B., daß ein und dieselben Künstler sich nacheinander sowohl für den
Nationalsozialismus als auch den Kommunismus engagierten oder daß man
den Ersten Weltkrieg als ersehnte Veränderung begrüßte.
4. Bedeutung und Merkmale der expressionistischen Lyrik
Der Expressionismus ist daher nicht wegen seines weltanschaulichen
Anspruchs bedeutsam. Von Bedeutung ist vielmehr die Lyrik dieser Zeit,da
sich in ihr die Abkehr von traditionellen und die Hinwendung zu neuen
Formen und Themen vollzog, bis hin zum autonomen Gedicht
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